März 2024: Unser Traum: Ein Klassenzimmer im Om Shanthi Garten

 

 

Inzwischen bin ich nach 10 Wochen Aufenthalt bei unseren lieben Witwen in Tiruvannamalai wieder gut hier gelandet und genieße die frische Frühlingsluft und den sanften Regen. Der Abschied ist wie immer schwer gefallen. Om Shanthi Home wird immer mehr zu einer zweiten Heimat für mich und durch die Lebensberichte, die Paulette und ich erfahren und aufgeschrieben haben, sind uns auch alle Frauen sehr nahe gekommen. Wir haben zusammen geweint, uns umarmt und mit Mitgefühl und schwesterlicher Liebe fast unannehmbare Geschehnisse geteilt. Ich werde von nun an jedem Newsletter eine Lebensgeschichte beifügen, damit Ihr auch sehen könnt, welch ein Segen die Zeit ist, die die Frauen jetzt in Frieden in unserem Haus verbringen können. Die internationale Freundschaft und Verbundenheit mit Euch allen, die eine Quelle für ihr Glück ist, ist ihnen sehr bewußt.  Sie wissen, dass ihr Leben in Om Shanthi ein Geschenk von Euch ist und sie sind Euch allen sehr dankbar dafür.

Wieder gab es viele Besucher/innen: Mitgekommen aus Deutschland waren Silvia, Marlies und ein Inder (Adarsh)  aus der Schweiz, der seine Wurzeln finden wollte.(Ich weiß nicht, ob er dies geschafft hat.) Nach 3 Jahren Coronapause waren auch Ilona und nach langer Krankheit auch Bettina wieder dabei und wurden begeistert begrüßt. Wir konnten wieder 20 Ziegen mit Euren Spendengeldern einkaufen und an freudestrahlende junge Witwen und ihre Kinder verteilen. Es gab wieder viele schöne Konzerte in unserem Heim mit Reisegruppen, deren Leiter uns gerne immer wieder bestätigen, dass unser Heim neben anderen Sehenswürdigkeiten eine große Erlebnisqualität hat. Die natürliche, offene, authentische Freude und Liebenswürdigkeit unserer Frauen ist so bezaubernd, dass sie alle Herzen öffnet. Ich muß in Indien keinen Tempel mehr besuchen. Hier in Om Shanthi leben und arbeiten 31 Göttinnen, die verschiedener in ihrem Charakter nicht sein könnten, die aber eins gemeinsam haben: Den Schlüssel, mit dem sie Dein Herz aufschließen, so dass die Liebe frei fließen kann. Davon profitieren dann auch die hauseigenen Raben, unsere schwangere Katze Mamma Mia, heimatlose Hunde und die gesamte Affensippe, die uns von Zeit zu Zeit beehrt und unser Gemüse im Küchengarten verzehrt. (Ein stabiles Gitter muß her, wenn wir genügend Spenden  bekommen haben.) Ein Affe war so kess,  in mein  offenes Apartment herein zu spazieren, den Kühlschrank zu öffnen und ein Ei zu stehlen, welches er dann vor meinen Augen an einem sicheren Platz genüßlich verzehrt hat.

Neu waren in diesem Jahr die schönen Samstagnachmittage, wo Lioba und viele liebe Freund/innen aus dem Shanthimalai Ashram mit uns gesungen, getanzt, Tee getrunken und leckeres Gebäck verzehrt haben. Dank auch an Madeleine, eine indische Opernsängerin aus Frankreich, die uns allen das Ave Maria mit Orchesterbegleitung auf dem Iphone gesungen, und mit ihrer Kindergruppe, Tänze und Lieder vorgeführt hat. Besonderer Dank an dieser Stelle an Regula, die jedes Jahr Upahar in unserem Heim bei Konzerten mit der Geige begleitet und während des Jahres 1.900 Euro bei Benefiz-Konzerten in der Schweiz für unsere Witwen gesammelt  hat. Ein Teil dieser Summe war ein besonderes Geschenk für Parvathi, die nach einem Schlaganfall 10 Tage auf der Intensivstation in unserem Kankenhaus verbrachte. Danke Dir, Regula und allen Freund/innen in der Schweiz, die Ihr dazu beigetragen habt, Parvathi optimal zu versorgen. Diese hohen Kosten sind nicht in unserem Budget vorgesehen und kamen gerade zur rechten Zeit. Wir haben Parvathi dann, als keine Verbesserungen mehr möglich waren, nach Hause geholt, wo sie dann nach einer weiteren Woche friedlich eingeschlafen ist. Den Rest Eurer großen Spende werden wir u.a.. für den jährlichen Betriebsausflug unserer Frauen, den Mitarbeiterinnen und ihren Kindern verwenden, der voraussichtlich im Juli nach der großen Hitze stattfinden wird.

Auch unsere kreative Ader wurde gebraucht und kam nicht zu kurz. Gemeinsam mit dem Webmeister von Premalaya, unserer Schwesternorganisation, die viele junge Witwen beschäftigt, durften wir an den Webstühlen neue Bettdecken für unsere Frauen im Om Shanthi Home entwerfen. So haben wir 12 Stück in azurblauen Farben, 12 Stück in sonnengelben Schattierungen und 12 Stück in frühlingsfarbiger grüner Kombination kreiert, die dann in Handarbeit gewebt wurden. Mit den Schneidern von Premalaya haben Paulette und ich wunderschöne, luftige Hosenröcke (mit Schlitz bis zum Knie) aus leichter Sariseide oder Viskose nach einem Modell einer Freundin aus USA schneidern lassen. Es gibt sie mit Gummizug am Rücken und in verschiedenen Längen! Bei Interesse bitte melden!

Nachdem wir bis jetzt dank Eurer lieben Spenden ca. 40 Kühe und 90 Ziegen an junge Witwen und ihre Kinder in den Dörfern verteilt und ca. 500 junge Bäume in den umliegenden Dörfern gepflanzt haben, wollen wir uns nun einem neuen Projekt zuwenden.

Immer wieder müssen wir feststellen, dass Schulbildung sehr wichtig für die Kinder ist, aber viele Jugendliche nach der Schule keine Arbeit finden. Wir wollen den Kindern unserer jungen Witwen, und auch den Kindern in unserem Dorf Gelegenheit bieten, Computer- und Englischkurse zu besuchen, die ihre Chance, nach Schulabschluss  direkt einen Arbeitsplatz zu bekommen, sehr vergrößern. Es gibt kaum Computerkurse in den Schulen, dafür aber private Kurse in der Stadt. Nach der Schule am späten Nachmittag ist es aber unseren Kindern unmöglich, in die Stadt zu fahren (zu weit, keine Busverbindungen mehr, auch zu teuer!) Wir beabsichtigen, in einer Ecke unseres Grundstücks von Om Shanthi Home ein Klassenzimmer zu bauen, wo die Kinder nach der Schule unentgeltlich mit dem Computer vertraut gemacht werden. Die Aussicht, dass unsere alten Witwen auf diese Weise mit Jugendlichen Austausch und Kontakt haben, ist auch sehr erfreulich! Damit können wir auch die Kluft zwischen „alten Witwen“ und modernen Jugendlichen überbrücken und das neue Bewußtsein schaffen, das unser Motto ist.

Bitte lass mich wissen, was Du dazu meinst und denkst. Weitere Einzelheiten zu diesem Plan, der gerade erst neu geboren wurde, werde ich in einem der nächsten Newsletter schicken.

Viele Freunde/innen in Indien betonen immer wieder, welch ein Segen es ist, bei uns mitzuarbeiten: Da ist Alisa, eine Russin, Anne, die französische Fotografin, die unsere Fotos für den wunderschönen Kalender macht, Stefan, der schwedische Journalist, der die Texte für den Kalender schreibt und auch Interviews mit unseren Witwen macht und unsere amerikanischen Freundinnen, die schließlich das Layout und die Endfassung unseres Kalenders machen. Nicht zu vergessen, unsere Lieben in Deutschland, in der Schweiz und überall!

Weben wir ein Netzwerk der Liebe rundum diese Welt, die im Moment auch mißhandelt und mißachtet wird wie ihre Einwohner/innen. Lassen wir uns nicht beirren: Die Liebe siegt! Das zeigen unsere Frauen, die alles Elend überlebt haben und so voller Freude sind.

Danke für Deine Mitarbeit und Unterstützung, die wir so dringend brauchen!