Om Shanthi – ein Heim für indische Witwen

Wenn ich darüber nachdenke, wie „ Om Shanthi Old Age Home“  entstanden ist, dann war es der Augenblick vor 10 Jahren, als diese verzweifelt Frau unter Lumpen am Rand der Straße in Tiruvannamalai sich aufrichtete und mir in die Augen schaute. In diesem „Augenblick“ wurde mein Leben neu programmiert. Da war der brennende Wunsch , es möge einen Platz eben, wo elende Frauen wie diese in Frieden und Liebe sterben können. Ich fand damals für diese Frau, die mein Herz zutiefst berührte, keinen Platz in dieser Welt, wo sie dies tun konnte und war fast erleichtert, dass sie verschwunden kam, als ich zu ihr zurückkam.

Seitdem hat sich alles ohne „mich“ entwickelt. Arunachala hat alles geregelt: Er ließ mich Spenden sammeln für Frauen, die aufgrund von für uns unverständlichen Traditionen heimatlos und geächtet sind. Er ließ es geschehen, dass  Dr. Werner vom Shanthimalai Ashram den indischen Witwen ein Haus samt großem Grundstück in Kaveriampoondi Village spendete. Dieses Haus wurde mit Euren Spendengeldern zum Om Shanthi-Hospiz umgebaut, d.h. zwei Toiletten und zwei Waschräume wurden angebaut. Am 18.1.2012 wurde „Om Shanthi Hospiz“ von einem Brahmanen, meiner Reisegruppe, Freunden aus Tiruvannamalai und der Dorfbevölkerung eingeweiht. Es gab 10 Betten in einem großen Raum und ein kleines Sterbezimmer. Im November 2012 waren alle 10 Betten besetzt.

Zu unser aller Überraschung denkt niemand heute mehr ans Sterben. Alle Frauen beginnen zu leben, so dass  auch das  Sterbezimmer bald mit zwei neuen Betten ausgerüstet und bezogen wurde. Es gibt liebevolle Betreuung von fünf jungen Witwen, bzw. alleinstehenden Frauen rund um die Uhr: Saratha und Malathi machen tagsüber Dienst, Santha Kumari und Rani nachts. Kodimalli koordiniert alles: Sie  macht auch die Einkäufe auf dem Markt und versucht die Witwenpensionen bei der Regierung zu beantragen. Manoharan, der gute männliche Geist von Shanthimalai Ashram  und unser indischer Partner in Tiruvannamalai, ist 24 Stunden hilfsbereit. Er wohnt im Nachbardorf und ist im Notfall sofort zur Stelle.  Er sorgt für medizinische Betreuung, gute Laune, indem er Ausflüge organisiert und  für gute Beziehungen zur Bürokratie.

Schon bald wurde klar, dass der Name „Hospiz“ nicht mehr stimmt.  So viel Freude und Lebendigkeit ist auch beglückend für alle Besucher und so heißt es bald: „Om Shanthi Old Age Home“. Auch dieser Name ist nicht ganz richtig, denn Kalpana, unsere Jüngste,  könnte Anfang 30 sein. Sie ist taubstumm und schwer traumatisiert durch ständige Vergewaltigungen und einige Abtreibungen. Auch Mangai ist noch jung. Sie wurde kurz nach ihrer Hochzeit als schizophren diagnostiziert und von ihrem Mann aus dem Haus gewiesen. Ihre eigene Familie hat sie nicht mehr aufgenommen. So hat jede Frau ihr eigenes besonderes Schicksal. Gemein ist ihnen allen, dass sie unerwünscht  und geächtet sind, weil sie nicht verheiratet, bzw. verwitwet sind. Wenn sie Kinder haben, dann leben diese weit weg, bzw. leben auch in Armut und Not, so dass weder  Geld  noch  Zeit vorhanden sind , um den Besuch bei der Mutter zu finanzieren.

Oft kommen Nachbarskinder aus dem Dorf zu Besuch, um zu sehen, was in diesem seltsamen Haus mit den Frauen geschieht, die aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen waren. Sie sehen, dass  alle Frauen neu eingekleidet sind in schöne  Baumwollsaris mit Goldborde. Dass sie Schmuck tragen, drei regelmäßige Mahlzeiten bekommen und medizinisch betreut werden. Sie singen mit uns, wenn wir mit Besuchern aus westlichen Ländern zusammen  die  bekannten indischen Bhajans singen und sind dabei,  wenn wir alle zusammen im Garten arbeiten. Alle, die „ Om Shanthi Old Age Home“  besuchen, sind berührt von der glücklichen, liebevollen Athmosphäre, die hier herrscht. Eine Pilgergruppe aus Rochester/ USA hat eine Solarbeleuchtung für den Eingangsbereich gespendet .  Diese Beleuchtung bedeutet einen großen Schutz für das Frauenhaus, da wir ca. 18 Stunden Stromausfall jeden Tag haben. So ist die Lampe des Witwenhauses am Eingang des Dorfes ganz oft die einzige Lichtquelle im tiefsten Dunkel der indischen Nacht. Die tiefe Symbolik ist offensichtlich…….

Inzwischen fragen Polizei und Dorfchefs öfters an, ob wir noch mehr Platz haben für bedürftige Frauen. Ja, es gäbe Platz für ein weiteres Haus auf unserem Grundstück und es ist auch schon in unserer Planung. Dazu brauchen wir Deine Hilfe und Spende. Sie kann klein sein. Was zählt ist Deine Kraft und Dein Wunsch, die Zustände für unsere indischen Schwestern mögen sich ändern.

Die indischen Witwen geben uns so viel mehr, als wir ihnen geben. Aber das läßt sich schwer beschreiben. Komm einfach mit auf die Pilgerreise zum Arunachala im Januar.  Jedes Jahr organisiert „Neue Wege“ in Euskirchen diese Reise. Es ist eine Sonderreise und sie heißt: „Zu den Ursprüngen des Yoga“. Alle freuen sich auf Dich.

Herzlichen Dank für Dein Interesse und Deine liebe Hilfe in jeder Form.

Namasté

Anna und alle Mitarbeiter und Witwen in Tiruvannamalai